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Urteil im Verfahren wegen der Tötung von Tobias

Datum: 16.05.2012

Kurzbeschreibung: 

PRESSEMITTEILUNG

16. Mai 2012

 

Mörder von Tobias zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt


 

Am heutigen Vormittag hat die 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stuttgart im Verfahren wegen der Tötung des 11-jährigen Tobias an einem Fischweiher in Weil im Schönbuch am 30. Oktober 2000 den 48-jährigen Angeklagten wegen versuchter besonders schwerer sexueller Nötigung und Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

 

Die Kammer unter dem Vorsitz von Regina Rieker-Müller sah es als erwiesen an, dass der weitestgehend geständige Angeklagte auf einer Radtour zunächst den spontanen Entschluss gefasst hatte, den von ihm alleine angetroffenen Jungen sexuell zu missbrauchen, wozu er ihn, unter einem Vorwand, in eine schutz- und ausweglose Lage manövriert hat. Dann hat er, als Tobias sich heftig wehrte, diesen mit einem mitgeführten Butterfly-Messer mit einer Klingenlänge von mindestens 7 cm, mit dem er ihn bereits zuvor drohend zur Duldung sexueller Handlungen bewegen wollte, getötet. Hierbei stach der Angeklagte mindestens 38 mal mit wuchtigen Stichen auf sein Opfer ein, so dass mehrere lebenswichtige innere Organe verletzt wurden und dieses wenig später durch Verbluten verstarb. Nach dem Tod von Tobias nahm der Angeklagte an dem Leichnam mit seinem Messer, auf einem erst dann gefassten Entschluss beruhend, eine Verstümmelung im Genitalbereich vor.

 

Die 1. Schwurgerichtskammer geht dabei davon aus, dass der Angeklagte heimtückisch handelte, weil er bei der Tötung die von ihm selbst herbeigeführte arg- und wehrlose Lage von Tobias ausgenutzt habe. Zudem habe er zur Verdeckung einer Straftat, des vorangegangen Versuchs der sexuellen Nötigung, gehandelt. Daher habe der Angeklagte sich des Mordes schuldig gemacht.

 

Während des gesamten Geschehens war der Angeklagte in der Schuldfähigkeit, trotz der bei ihm vorliegenden sexuellen Störung, nicht eingeschränkt, so die Vorsitzende. Hierfür spreche der gesamte durch die Kammer festgestellte Tatverlauf, wonach der Angeklagte es nicht von vornherein vorhatte sein Opfer aus sexuellen Motiven massiv zu quälen. Deshalb lagen nach der Würdigung der Kammer bereits die rechtlichen Voraussetzungen für eine Unterbringung des Angeklagten in einem Psychiatrischen Krankenhaus nicht vor.

 

Die Kammer stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete die Unterbringung des Angeklagten in der Sicherungsverwahrung an, weil gegen den Angeklagten, obwohl er vor der Tat strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten ist, wegen der zwei vorliegend abgeurteilten Verbrechenstaten Einzelstrafen von sechs Jahren Freiheitsstrafe für den Versuch der besonders schweren sexuellen Nötigung sowie lebenslanger Freiheitsstrafe für den Mord verhängt wurden.

 

Die Kammer hat seit dem 08. März 2012 an 15 Verhandlungstagen verhandelt. Die Vorsitzende führte hierzu aus: „Dieses Verfahren hat allen Beteiligten sehr viel abverlangt, weil es zu Blicken in das Innere eines nach außen hin unauffälligen Menschen gezwungen hat, bei denen sich Abgründe auftaten, die einen erschauern ließen.“

 

 

Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 16. Mai 2012  -  1 Ks 114 Js 74190/11

 

 

Lars Kemmner, Pressesprecher in Strafsachen

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